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Südtirol spritzt

Südtirol spritzt

durchschnittlich über 45kg Pestizide jährlich auf jeden Hektar. Das ist sechs Mal so viel wie im italienischen Durchschnitt. Immer mehr Menschen wehren sich, weil die Gifte auch auf Sportplätzen, Radwegen und Schulhöfen landen.

Südtirol sucht

Südtirol sucht

Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Vögel. Die Pestizide zerstören die biologische Vielfalt und die Stabilität der Ökoysteme. Noch hunderte Meter über den Apfelplantagen sterben auf den Almwiesen Insekten an den Giften.

Südtirol schaut

Südtirol schaut

auf immer monotonere Landschaften. Rund 10% aller Äpfel Europas wachsen hier in Monokulturen. Weil die Plantagen lukrativ sind, wird jeder mögliche Quadratmeter mit Spindelbäumchen an Drähten und Betonsäulen bepflanzt.

Hintergrund

Zur Zeit wirbt Südtirol mit großen Plakaten überall in Deutschland für sich als Urlaubsregion. Die Fotos in Plakatgröße zeigen beeindruckende Landschaften, Berge und Almwiesen.

Doch unten im Tal sieht es anders aus. Rund 10 Prozent der Äpfel, die in der EU produziert werden, wachsen in den drei warmen Alpentälern rund um Bozen. Weil es sich finanziell lohnt, breiten sich die Obstplantagen immer weiter aus. Monokulturen von Apfelbäumen, die an Drähten und Betonsäulen hochwachsen, prägen die Landschaft. Diese Intensität der Plantagenwirtschaft funktioniert nur mit Hilfe eines ausufernden Chemieeinsatzes: Mehr als 45 Kilogramm Pestizide landen pro Jahr auf jedem Hekar landwirtschaftlicher Fläche in Südtirol. Zum Vergleich: Im Durchschnitt sind es in Italien „nur“ 6,6 Kilogramm pro Hektar und Jahr.

Unter den Mitteln sind viele, die für Menschen gesundheitsschädlich sind, wie Glyphosat, Mancozeb oder Captan. Und sie schaden der Natur. Untersuchungen der Universität Salzburg zeigen, dass noch hunderte Meter oberhalb der Obstplantagen auf den Wiesen die schönen und verbreiteten Widderchen fehlen. Die kleinen, schwarzen Schmetterlinge sind besonders anfällig gegenüber Pestizide. Weil auch Bienen den Spritzmitteleinsatz kaum überstehen würden, die Obstbäume aber bestäubt werden müssen, bringen ImkerInnen zur Blütezeit extra Bienenstöcke in die Plantagen. Während des Bienenflugs ist Spritzpause. Kurz davor und danach wird extra viel gespritzt.

Weil die Spritzmittel verdunsten oder vom Wind abgetragen werden, landen sie nicht nur dort, wo sie hin sollen. Die Gifte kontaminieren das Heu für Milchkühe, die Ernte von Bio-Betrieben und benachbarte Gärten. Sie töten Wasserlebewesen in Flüssen, Seen und Kanälen. Radwege, Sportplätze, Schulhöfe, Spielplätze und Privatgärten zwischen den Plantagen sind zur Spritzsaison ein gefährliches Pflaster. Im Vinschgau, wo fast täglich Aufwind herrscht, treiben die Mittel sogar kilometerweit.

Immer mehr Menschen in Südtirol wehren sich. Es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe Grundbesitzer und Grundbesitzerinnen ohne Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Mitmenschen, die Natur, den Tourismus und den Rest der Landwirtschaft Gift spritzt. Das Thema ist heiß in der Landespolitik: Wer es anfasst, riskiert Prügel von der mächtigen Apfel-, Chemie- und Grundbesitz-Lobby. Trotzdem tut sich was, denn die Faktenlage ist klar. In Mals im oberen Vinschgau stimmten über 75 Prozent der Menschen in einer Volksabstimmung für ein totales Pestizidverbot aus. Das Umweltinstitut München startete eine Kampagne, um die Pestizid-Rebellen von außen zu unterstützen. Und immer mehr Bauern und Bäuerinnen steigen auf ökologische Landwirtschaft um, insbesondere wenn ein Betrieb an die junge Generation übergeben wird.

Übrigens: Der hohe Pestizideinsatz im Apfelanbau in Südtirol ist kein Einzelfall. In anderen Regionen des intensiven Obstbaus, wie am Bodensee oder dem Alten Land bei Hamburg, sieht es nicht besser aus.